Un Voyage d'hiver
Durch diese Erzählung von Wanderung, Bruch und Einsamkeit stellt Schuberts Werk eine universelle Existenzkrise dar. Der Reisende ist ein von der Welt abgekoppelter Mensch, der in sich selbst zurückgezogen ist, ohne Kompass oder Zuflucht. Er flieht vor einer verlorenen Liebe und einer fremd gewordenen Welt. Was er sucht, ist nicht nur eine Person, sondern einen Sinn, eine Verbindung, eine innere Kohärenz. Diese musikdramenähnliche Adaption macht diese Verwerfungen mit den Mitteln des Theaters und des poetischen Wortes hörbar. Die Stimmen ermöglichen es, die inneren Spannungen jeder/jedes Einzelnen zu verkörpern: Erinnerung, Zweifel, Stimmen aus der Vergangenheit, Gewissen, Appell. Die zeitgenössische französische Übersetzung von Jean-Pierre Siméon verstärkt diese Aktualität: Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden mit einer intimen Erzählung, einem Geständnis, einem Riss konfrontiert, der in der Gegenwart spricht. Die musikalische Begleitung durch Viola und Klavier verlängert dieses Klima der inneren Zerbrechlichkeit.
Eine Winterreise wird so zu einem Theater des modernen Bewusstseins, einem dramatischen Gedicht darüber, was es bedeutet, allein, verloren und doch lebendig zu sein.